SIDAL KESKIN

Was motiviert dich politisch aktiv zu sein?
Als Tochter* einer migrantischen Arbeiter*innenfamilie von ethnisch und religiös marginalisierten Minderheiten hab ich mehrfach Diskrimierungen und soziale Ungerechtigkeit bereits von klein auf mitbekommen. In der Schule und außerhalb meines familiären Umfelds wurden meine dunkle Haut, mein gebrochenes Deutsch, mein Geschlecht, die finanziell schwierige Situation meiner Eltern für mich unbewusst Grund meine eigene Identität zu verstecken und mich der österreichischen Mehrheitsgesellschaft anzupassen. Als ich begonnen habe mich bewusst zu politisieren hab ich auch immer mehr verstanden, dass nicht meine Identität, sondern der zum Großteil unsichtbare Rassismus, Klassismus und Sexismus in unserer Gesellschaft das eigentliche Problem sind.

Was ist eine Aktion oder ein politisches Ereignis, das für dich prägend war?
Prägend war für mich nicht unbedingt ein einzelnes Ereignis, sonder eher der Dauerzustand, der auf uns wirkt. Prägend war für mich die soziale Ungleichheit, die ich auf allen Ebenen in meinem Leben spüre. Prägend war für mich die Erfahrung, dass die meisten Menschen in meinem Umfeld auch davon betroffen sind/waren. Prägend war für mich die Einsicht, dass ein System hinter all diesen Unterdrückungserfahrungen steht und sie nicht einzeln, sondern nur durch einen umfassenden Systemwechsel bekämpft werden können.

Was sind deine Schwerpunktthemen und warum?
Viele Unterdrückungsmechanismen stehen in Verbindung zueinander. Sie bauen auf denselben Strukturen auf und geben einander Nährboden. Der Kapitalismus profitiert dabei von all diesen Unterdrückungssystemen; von systematischem Rassismus, Klassismus, dem Patriarchat, Ableismus und der Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Tieren. Meine Schwerpunktthemen sind Queerfeminismus, Antirassismus, Ökologie und soziale Chancengleichheit. Dabei sehe ich sowohl die Probleme als auch ihre möglichen Lösungsansätze miteinander verbunden und habe eine intersektionale Perspektive zu ihnen.

Was sind die Herausforderungen in deinem Grätzl?
In Ottakring treffen viele Kulturen aufeinander. Das ist eines von vielen Eigenschaften, die diesen Bezirk so besonders machen. So eine Eigenschaft verbirgt oft großes Potential.
Potential für ein harmonischeres Zusammenleben durch bewussteren interkulturellen Austausch in den unterschiedlichsten Bereichen könnte dabei ein Lösungsansatz bieten. Dafür bräuchte Ottakring mehr Orte die offen zugänglich für alle sind. Gleichzeitig fehlt es hier auch an geschützten Räumen/Beratungs- und Anlaufstellen für Personen, die von sexuellen Übergriffen, Diskriminierungen und von (häuslicher) Gewalt betroffen sind.

In welchem Wien möchtest du bei der nächsten Wahl 2025 leben?
In einem Wien, das für alle ein Zuhause sein kann, die es so empfinden möchten und brauchen. Ein buntes Wien mit all seinen vielseitigen Schönheiten. Ein sozial gerechtes Wien wo es keine Armut mehr gibt. Ein grünes Wien, in der nachhaltige Ideen wirklich umgesetzt werden. Ein Wien, in dem sich alle Menschen in Sicherheit fühlen und ein selbstbestimmtes freies Leben für alle selbstverständlich ist.

Menü schließen