karoline marth

Was motiviert dich politisch aktiv zu sein?
Mich motiviert am meisten die Tatsache, dass ich die Möglichkeit habe zu positiver Veränderung beizutragen. Ich habe den Anspruch an mich selbst aus meiner privilegierten Position heraus meine Zeit und Energie in etwas zu investieren von dem ich nicht unmittelbar profitiere, sondern andere Menschen, die nicht die Ressourcen haben um sich für ihre eigenen Interessen stark zu machen.

Was ist eine Aktion oder ein politisches Ereignis, das für dich prägend war?
Am meisten geprägt hat mich bisher die Präsidentschaftswahl 2016/17, zu diesem Zeitpunkt hatte ich das erste Mal das Gefühl, wenn wir uns jetzt nicht alle gemeinsam stark machen, Differenzen zur Seite lassen und einen Bundespräsidenten der FPÖ verhindern, könnte es in Österreich gefährlich werden. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt als etwas selbstverständliches angesehen, auch wenn mir die Politik zu unentschlossen, konservativ und wirtschaftshörig war. Nach dieser Wahl hatte ich verstanden, dass ich durch politisches Engagement nicht nur politischen Stillstand, sondern auch demokratie- und menschenfeindliche Politik verhindern kann.

Was sind deine Schwerpunktthemen und warum?
Als Bildungswissenschaftlerin und Sozialpädagogin sehe ich meine Schwerpunktthemen im Bereich Bildung und Soziales, da ich in diesen Bereichen über das meiste Fachwissen verfüge und seit Jahren beruflich tätig bin. Zuvor habe ich mich im Tier- und Umweltschutz engagiert, dieses Thema gehört für mich im weitesten Sinn auch zum Thema Soziales, da ich der Meinung bin die ethische Entwicklung einer Gesellschaft lässt sich daran bemessen wie sie ihre schwächsten Mitglieder, Tiere, behandelt und mit ihren Ressourcen, Umwelt, umgeht.

Was sind die Herausforderungen in deinem Grätzl?
Floridsdorf ist der zweigrößte (m2) bzw. drittgrößte (Einwohner*innen) Bezirk Wiens. Gemeindebauten, kleine Villen und alles dazwischen stehen oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Genauso divers wie die Wohnmöglichkeiten in Floridsdorf sind auch die Menschen, die diverse Bevölkerungsgruppe, von der ein großer Anteil finanziell eher schwach ist und sich von der Politik unverstanden fühlt. Die Herausforderungen in Floridsdorf bestehen nicht nur darin für linke Politik zu begeistern, sondern Menschen zu zeigen, dass politische Selbstbestimmung Wirkung zeigt und ihr Leben positiv beeinflussen kann. Es ist besonders wichtig Menschen in Floridsdorf zu zeigen, dass sie in ihren Anliegen und Sorgen aber auch in kleinen „Grätzel Unannehmlichkeiten“ nicht nur verstanden werden, sondern mit ihrer Stimme oder ihrem Engagement auch zur Lösung dieser beitragen können.

Welche Herausforderungen siehst du in Wien? Was möchtest du konkret verändern?
Als konkrete Herausforderung nehme in den Bildungsbereich wahr, von der Entlohnung der Kindergartenpädagog*innen, die fehlenden finanziellen Mittel für Schulen, über die immer härtere und studierendenunfreundlichere Hochschulpolitik, ist in jedem Bereich des Sektors Bildung viel Verbesserungsbedarf da. Dies ist besonders in Wien durch die hohe Einwohner*innendichte und die häufig fehlende soziale Durchmischung spürbar. Ich möchte Menschen miteinander ins Gespräch bringen und zeigen, dass es einen Unterschied macht, wenn man sich gemeinsam für eine Sache einsetzt, auch wenn es anfangs Rückschläge gibt oder manches nur in kleinen Schritten vorangeht. Ich möchte mich für die Stärkung von Arbeitnehmer*innen einsetzen, für modernere Bildungskonzepte und eine faire Sozialpolitik. In diesem Kontext sind mir auch Integration und Kinderrechte sehr wichtig. Denn gerade die Interessen der Mitglieder einer Gesellschaft, die kein Wahlrecht haben, gilt es solidarisch und sozial zu vertreten.

In welchem Wien möchtest du bei der nächsten Wahl 2025 leben?
Ich möchte in einem Wien leben, in dem kein Mensch Angst haben muss seine Existenzgrundlage zu verlieren und Abstiegsängste unbegründet sind. Ich möchte in einem Wien leben, das vorlebt, dass Diversität eine Stärke und keine Schwäche ist. Ich möchte in einem Wien leben, in dem Mehrsprachigkeit als Ressource gesehen wird und finanzielle Unterstützung in schwierigen Lebenslagen unbürokratisch und schnell geleistet wird. Ich möchte in einem Wien leben, das solidarisch zusammensteht und in dem man sich freut einander kennenzulernen, egal woher der*die andere kommt.

Menü schließen