helga wolfgruber

Was motiviert mich politisch aktiv zu sein?
Ich habe schon als Jugendliche begonnen, meinen anfangs eher moralischen Blick auf Lebensumstände, durch eine politische Brille zu schärfen. Wahrzunehmen, wie Chancenungleichheit schon ab Geburt, Armut und Benachteiligung nach sich ziehen kann, hat meinen Wunsch nach „etwas dagegen tun wollen“ sehr früh geweckt. Wichtig war mir dabei immer, Verbündete zu suchen um gemeinsam Einfluss auf Missstände nehmen zu können. Sei es als Schul-und StudentInnensprecherin, später als Personalvertreterin, Gewerkschafterin oder im Berufsverband für SozialarbeiterInnen.
Meine Berufsjahre in der Sozialpsychiatrie haben meinen Blick auf das Entstehen, den Verlauf und die Behandlung von Krankheit gelenkt und meine „friedliche Wut“ auf gesellschaftliche Systemfehler genährt. Orientierungshilfe bei meinen Kämpfen waren für mich viele Solidaritätserfahrungen und eine marxistische Road-map, weil „jeder Schritt echter Bewegung wichtiger ist, als 100 Programme“ (K. Marx).

Gab es eine Aktion oder ein politisches Ereignis, das für mich prägend war?
Unvergessen bleibt mir der Kampf 1971 gegen den §144. Nächtliche Plakataktionen, Riesendemonstrationen haben den Weg zu Straffreiheit für Schwangerschaftsabbruch geebnet. Ähnlich erfolgreich war 1978 der Marsch auf Zwentendorf zur Verhinderung der Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes. Es war das konkrete, überschaubare Ziel, das solidarisches Handeln erleichtert und erfolgreich gemacht hat. Aber auch die Auftaktveranstaltungen von Aufbruch und LINKS haben für mich einen Motivationsschub bedeutet.

Meine Schwerpunktthemen
reihen sich wie konzentrische, ineinander verzahnte Kreise um zentrale Themen linker Politikvorstellung. Ich möchte nicht das Echo von grüner oder sozialdemokratischer, systemkosmetischer Reformpolitik sein, sondern mit einem Alleinstellungsmerkmal langfristigen aber radikalen Umbau der „bestehenden Unordnung“ anstoßen. Und das sollte auf allen Ebenen politischer Entscheidungsfindung geschehen: vom Bezirksamt bis zum Europaparlament. Auch kleine Parteien können lautstark Sand ins Getriebe streuen. Macht- und Herrschaftsverhältnisse des Patriarchats müssen endlich zu einem Ende kommen. Unser aller Leben, ob privat oder öffentlich ist davon betroffen.

Wien 2025?
Der öffentliche Raum hat sich von einer Kauf-und Konsumzone in einen Begegnungs- und Erholungsraum verwandelt. Lohnarbeit gehört nicht mehr zum einzigen Sinnstifter menschlichen Handelns und Produktivitätssteigerung als Mythos ist begraben. Mehr Zeitwohlstand durch radikale Arbeitszeitverkürzung erlaubt eine Gleichverteilung notwendiger Haus-Sorge-und Pflegearbeit zwischen Wohn- und LebenspartnerInnen. Die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens drängt Menschen nicht mehr in künstlich geschaffene Bullshit-Jobs. Stattdessen finden sich unter schattenspendenden Bäumen GrätzlbewohnerInnen zusammen und diskutieren kreative Maßnahmen gegen das galoppierende Chaos, das uns neoliberaler Wahn und eine gestaltungsarme Politik verursacht haben. Vielleicht entwickelt man/frau in entspannter Runde auch konkrete Vorhaben für den Abbau der Kluft zwischen Arm und Reich. Oder die endlich auf Schiene gebrachte Mietrechtsreform und das durchgesetzte Wahlrecht für Alle werden gefeiert. Weit und breit kein Panzerfahrzeug SUV, kein Lärm an autofreien Tagen, die Luft höchstens noch durch Alt-Sünden belastet. Leib und Seele, befreit von Burn-out Ängsten erfreuen wir uns an dem Plakat über dem Rathaus: „Recht auf Faulheit! Weil Müßiggang nicht aller Laster Anfang ist“.
Das ist das Material aus dem ich mir konkrete Bausteine für Gemeindepolitik formen würde. Gemeinsam geht`s doch: mit LINKS.

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