CARINA KARNER

© Bernhard Hayden

Was motiviert dich politisch aktiv zu sein?
Es braucht eine gerechte und freie Gesellschaft und dafür müssen wir unsere Weltordnung radikal ändern.  Und bei Wien fangen wir an. Wir leben in einer Gesellschaft in der alles ungleich verteilt ist: Reichtum, Eigentum, Einkommen, Wohnraum, Zugang zum Gesundheitssystem und Zugang zu Bildung. Wir wissen, diese Ungleichverteilung wird weitervererbt, aber irgendwie wird das wird in unserer Gesellschaft mitgetragen. Meine Familie zum Beispiel schimpft gerne auf die da oben aber gleichzeitig schämen sie sich für ihre Herkunft. Und auf der Uni habe ich Leute kennengelernt, die zwar die Ungerechtigkeiten im Kapitalismus aufzählen können, aber verhöhnen gerne die „ungebildete Unterschicht“. Das geht nicht zusammen. Ich will das wir die Ungerechtigkeiten beim Namen nennen – Kapitalismus, Rassismus, Sexismus, Homo- und Transphobie und Antisemitismus, aber es trotzdem schaffen Empathie gegenüber jenen zeigen die ausgegrenzt werden, selbst wenn sie nicht immer unsere politischen Schatzis sind.  

Was ist eine Aktion oder ein politisches Ereignis, das für dich prägend war?
Das ist kein politisches Ereignis, aber ich denke dass für mich bisher am prägendsten die Zeit in der Studierendenvertretung war. Ich hatte ein technisch-naturwissenschaftliches Studium begonnen, dass ich so schnell wie möglich und ohne Ablenkung abschließen wollte um bald Geld zu verdienen.
Doch im zweiten Semester überzeugten mich zwei Freunde bei der Wahl für die Hochschüler*innenschaft anzutreten. Wir haben dann die AG (die ÖVP in der ÖH) rausgeschmissen und ich bin links geworden.

Was sind deine Schwerpunktthemen und warum?
1. Arbeit und Automatisierung
Von meinem Job her hab ich als IT-lerin Arbeit von anderen automatisiert. Es beschäftigt mich sehr was passiert wenn Maschinen große Teile unsere Arbeit übernehmen. Das passiert gerade schon, und auch in Wien.  Das jetzige System beruht darauf dass wir alle arbeiten, das kann aber nicht mehr funktionieren wenn diese ganze Arbeit von Robotern und Computern erledigt wird. Ich denke dann wird Ressourcen-Umverteilung noch wichtiger als ohnehin schon.
2. Korruptionsbekämpfung
Um eine Chance auf eine gerechtere Welt zu haben, braucht es eine Trennung von politischem Einfluss und Einfluss durch Geld. Korruption – die Beschaffung von politischem Einfluss durch Geld oder andere Gegenleistungen gibt es auch in Wien und ich finde es wichtig dass wir als linke Opposition einen genauen Blick darauf werfen. Vor allem jetzt, wo die Regierung Milliarden von Euros intransparent an große Unternehmen verteilt.

Was sind die Herausforderungen in deinem Grätzl?
Ich wohne in der Seestadt im 22. und ich denke eine große Herausforderung ist es diese Modellstadt mit Leben zu füllen, solidarische Communities aufzubauen und dafür zu sorgen dass dieser ganze neue Wohnraum auch wirklich leistbar ist. Im Rest vom 22. wünsche ich mir bessere Infrastruktur – und damit meine ich zum Beispiel bessere Querverbindungen von Aspern in den Rest vom 22. oder 21.

Welche Herausforderungen siehst du in Wien? Was möchtest du konkret verändern?
Ich habe in Wien mit vielen Menschen zusammengearbeitet die nicht aus Österreich sind.
Viele kennen sie mit Arbeitsrecht nicht aus, oder haben Angst ihren Job zu verlieren und werden von ihren Arbeitgebern ausgebeutet.  Ich wünsche mir dass zuerst alle Wiener*innen, egal woher, ihre (Arbeits-)rechte kennen und wir dann gemeinsam für mehr kämpfen.  Bessere Arbeitsverträge gehören da genauso dazu wie das Wahlrecht für alle, Pass egal. Ich will generell dass wir als LINKS den Blick für Ungerechtigkeiten in Wien schärfen und sie benennen.

In welchem Wien möchtest du bei der nächsten Wahl 2025 leben?
In einem Wien, wo wir uns umeinander kümmern und aufgehört haben uns wegen unserer Herkunft oder Hautfarbe auszugrenzen, in dem es super Gesundheitsversorgung gibt, Luxuswohnungen für alle, und wo die Klimakatastrophe abgewandt ist.  Wir brauchen nur noch einen Plan wie von hier dorthin kommen.

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