angelika adensamer

Was motiviert dich politisch aktiv zu sein?
So, wie die Welt ist, kann sie nicht bleiben. Die Schere zwischen Arm und Reich nimmt zu, Rassismus breitet sich aus und der Staat setzt immer weiter auf autoritäre Maßnahmen und Überwachung, während politische Lösungen für die Klimakrise auf sich warten lassen. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass jemand anderer die politischen Veränderungen herbeiführt, die man sehen will. Man muss es selbst tun, gemeinsam mit anderen – wir müssen uns organisieren um eine Chance zu haben. Deshalb bin ich politisch aktiv und deswegen habe ich LINKS mitbegründet.

Was ist eine Aktion oder ein politisches Ereignis, das für dich prägend war?
Ich war 2009 bei #unibrennt im besetzten Audimax. Dort habe ich erlebt, was Selbstorganisierung bedeutet und dass es nicht reicht, die richtigen Ideen und Analysen zu haben, sondern dass es immer auch Menschen braucht, die dafür reinhackeln. Wenn wir echte Demokratie und Mitbestimmung in der Gesellschaft wollen, müssen wir diesen Anspruch auch in unserer eigenen Organisation leben. Deswegen ist es mir wichtig, dass wir sehr bewusst an unserer Organisation und politischen Kultur arbeiten, auch wenn es manchmal schwierig und kompliziert ist.

Was sind deine Schwerpunktthemen und warum?
Als Juristin und Kriminologin war ich in den letzten Jahren besonders in den Bereichen der Polizei, Überwachung und Demonstrationsrecht aktiv. Viele Menschen sind der Gewalt der Polizei sehr direkt ausgesetzt, wie sich gerade bei rassistischen Übergriffen, bei Demonstrationen oder gegenüber marginalisierten Gruppen wie Obdachlosen immer wieder zeigt. Dass der Staat zur Not auch zu autoritärer Gewalt greift, um neoliberale Profitinteressen zu verteidigen, zeigt sich hier besonders. Ich bin beeindruckt, dass die Black Lives Matter Bewegung es geschafft hat, dass die Debatte sich jetzt um die sehr radikale Einschränkung der Ressourcen und Aufgaben der Polizei dreht, z.B. hat die Stadt Minneapolis in den USA ihre Polizei komplett aufgelöst. Auch in Österreich und in Wien müssen wir die radikale Einschränkung der Polizei und echte Konsequenzen bei Polizeigewalt und Diskriminierung fordern!

Welche Herausforderungen siehst du in Wien? Was möchtest du konkret verändern?
Polizei ist Bundessache, was Wien aber tun kann, ist Dokumentation und Beratung für Betroffene von racial profiling und Polizeigewalt bereitzustellen und zu finanzieren. Viele schikanöse Polizeistrafen kommen auch direkt vom Magistrat der Stadt Wien, z.B. die Strafen wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen. Diese müssen aufgehoben werden. 

In welchem Wien möchtest du bei der nächsten Wahl 2025 leben?
Ich will in einem Wien leben, in dem alle, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben, wählen können, wo alle genug für ein gutes Leben haben, wo es keine Toleranz für Rassismus gibt, das ein Vorbild in Sachen Klima ist und das auch gegenüber der Bundesregierung in wichtigen Fragen Stellung bezieht. Ich hoffe, mit der Polizei muss ich mich dann gar nicht mehr beschäftigen.

Menü schließen