Sexarbeit während Corona? Genauso ein Tabu wie vor der Krise.

Mit Corona kam Mitte März ein Berufsverbot für Sexarbeiter*innen. Wie die offiziell Selbstständigen die Einkommenspause überbrücken sollten, war der Politik egal. Wie auch in den letzten Jahren war das Credo: 

Steuern zahlen ja, Rechte und Absicherung nicht wirklich. 

Sexarbeit ist wohl jene Arbeit, über die am meisten geredet und fast nie etwas verbessert wird. Das größte Problem ist, dass gerade die, die in der Branche arbeiten, meistens nix zu sagen haben. Über die Köpfe der Sexarbeiter*innen hinweg wurde und wird diskutiert, ob die Arbeit moralisch vertretbar ist, wer wie ausgebeutet wird und zu welchen Konditionen sie zu erlauben sei. 

Als Konsequenz wird Sexarbeit in Wien seit Jahrzehnten immer mehr eingeschränkt und kontrolliert. Vor allem auf die Straßensexarbeit haben es Bezirkspolitik, Wirtschaft und Polizei abgesehen. Mit dem Wiener Prostitutionsgesetz wurden 2011 die Weichen dafür gelegt, sichtbare Sexarbeit aus dem Straßenbild zu verbannen – mit „Erfolg“. Nur noch vereinzelt in 2 Gebieten am Stadtrand ist das Werben um Kunden auf der Straße erlaubt. Was das den Sexarbeiter*innen bringt? Vor allem eins: Weniger Selbstbestimmung. Dabei ist es vor allem das, was ihnen – nach eigenen Angaben – fehlt. Selbstbestimmung, Wahlfreiheit, und Arbeitsrechte. 

Corona hat also, so wie bei allen anderen wichtigen und unterbezahlten Jobs, auch in der Sexarbeit aufgezeigt, was falsch läuft – geändert hat sich wenig. Wie soll generell eine Aufwertung des Berufes möglich sein, wenn man sich bei der Polizei (!) für die Ausübung registrieren lassen muss? Wenn keine wirkliche Organisierung möglich ist, weil die Branche so stigmatisiert ist? 

Wenn wir sagen „Stadt für alle“, dann meinen wir damit alle – auch Sexarbeiter*innen. LINKS setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Selbstbestimmung ein. Denn wir wissen: 
Verbote bringen nichts. Sie machen Arbeit nur unsichtbar und unsicher.

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