LINKSTALK: FESTUNG ÖSTERREICH? ANTWORTEN VON LINKS​

LINKSTALK: FESTUNG ÖSTERREICH? ANTWORTEN VON LINKS​

LINKS lädt zum dritten Online-Talk mit dem Thema „Festung Österreich?“ anlässlich der Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie ein.
Das Treffen findet online statt.
Wann: Samstag, 4. April 2020 um 18 Uhr
Wo: Online via ZOOM
Link:  https://bit.ly/34f4qpz
Meeting-ID: 329 671 333

Festung Österreich? Antworten von LINKS!

In seinen Pressekonferenzen seit Beginn der Corona-Krise spricht Sebastian Kurz immer wieder von “Österreicherinnen und Österreichern”, wenn er die Bevölkerung adressiert. Die Österreicherinnen und Österreicher sollen auf sich aufpassen, die Österreicherinnen und Österreicher sollen die Regeln einhalten, die Österreicherinnen und Österreicher müssen jetzt zusammenhalten, die Österreicherinnen und Österreicher werden das gemeinsam schaffen.

Die Einführung einer Quasi-Diktatur in Ungarn durch seinen politischen Freund Orban lässt der Kanzler gänzlich unkommentiert, sobald es aber darum geht, die meist betroffenen Staaten der EU wie Italien finanziell zu unterstützen oder Geflüchtete aufzunehmen, die in Griechenland unter menschenunwürdigen Umständen in Lagern festgehalten werden, hat er eine schnelle Antwort parat: Nein. Österreich, Österreicherinnen und Österreicher, wir machen das schon, wenn wir auf uns selber schauen.

Die Corona-Krise ist aber auch eine Krise der Grenzen – der nationalstaatlichen ebenso wie der gesellschaftlichen – und des Kanzlers Antwort darauf ist wie so oft eine nationalistisch-populistische Inszenierung.

Das Virus kennt keine Grenzen. Weder außerhalb noch innerhalb Österreichs. Je klarer die globale Dimension der Krise, umso größer wird die Notwendigkeit nach transnationalem Zusammenhalt. Je offensichtlicher die Notwendigkeit offener Grenzen für Nationalstaaten, desto erbärmlicher die Versuche von Populisten wie Kurz, die alten Grenzen zu festigen und neue zu schaffen.

Dabei sehen wir doch gerade jetzt:
Menschen, die harte, meist schlecht bezahlte Arbeit im Handel, im Gesundheits- oder Pflegewesen, am Bau, in der Landwirtschaft oder der Industrie erledigen, stechen durch diese Krise auf einmal als “systemrelevant” hervor und werden gewürdigt. Und genau sie sind es gleichzeitig, die beim Kurzschen “Österreicherinnen und Österreicher” nicht mitgemeint sind, dafür aber in seiner rassistischen Politik, seit er regiert.

Die 24-Stunden-Betreuer*innen und Pfleger*innen, denen er und seine rechtextremen Freund*innen der FPÖ die Familienbeihilfe kürzten, müssen jetzt extra eingeflogen werden. Nach Erntehelfer*innen und Saisonarbeiter*innen, deren Arbeitsbedingungen ihm und seinen Freund*innen des Bauernbunds so egal sind, wird jetzt händeringend gesucht. Täglich wird den Held*innen unseres Corona-Alltags im Handel, in Krankenhäusern oder im Transport applaudiert. Wer arbeitet aber genau in solchen Berufen?

Und während versucht wird, Unternehmen zu retten, den Lebensunterhalt von unterschiedlichen Gruppen zu sichern und auf die Gesundheit zu achten, wird auf eine Gruppe komplett vergessen:
Was ist mit der Gesundheit von Menschen, die ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in Österreich leben oder jenen, die in kleine Räume zusammengepfercht in Flüchtlingsunterkünften wohnen müssen? Was ist mit dem Überleben von Menschen, die prekär oder gar undokumentiert arbeiten mussten, die kein soziales Netz haben und keine WKO-Förderung beantragen können? Aus den Augen, aus dem Sinn? Wenn wir schon nicht abschieben können, reden wir einfach nimmer drüber? Können wir die Ausbreitung der Krankheit überhaupt eindämmen, wenn wir auf bestimmte Teile der Gesellschaft vergessen?

Über diese und solche Fragen diskutieren wir nach ihren kurzen Inputs mit:
Sónia Melo von der Sezonieri – Kampagne für die Rechte von Erntehelfer*innen in Österreich über die aktuelle Situation für Erntehelfer*innen
Flavia Matei mit einem Einblick in die Lebens- und Arbeitsrealitäten rumänischer 24h Pfleger*innen
Clelia Resmerk vom Bündnis Flüchtlingsarbeit über die Auswirkungen der Krise auf die Flüchtlingsarbeit in Österreich
Katerina Anastasiou von Transform Europe über die Situation und die Menschenrechtsverletzungen in den Lagern auf den griechischen Inseln sowie an der türkisch-griechischen Grenze

Das Treffen ist offen für alle. Gebt Freund*innen, Verwandten und Bekannten Bescheid!

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